Die Gliedertaxe zählt zu den zentralen Bausteinen einer privaten Unfallversicherung und doch wissen viele Versicherte kaum, welche Bedeutung sie im Ernstfall hat. Dabei entscheidet diese Tabelle maßgeblich darüber, wie hoch der Invaliditätsgrad ausfällt und welche finanzielle Leistung nach einem Unfall ausgezahlt wird. Gerade bei dauerhaften Beeinträchtigungen kann die Gliedertaxe den Unterschied zwischen einer ausreichenden Entschädigung und einer deutlich zu niedrigen Leistung ausmachen.
In diesem Beitrag erklären wir, wie die Gliedertaxe funktioniert, warum sie so wichtig ist und worauf Sie beim Vergleich verschiedener Unfallversicherungen besonders achten sollten.
Das Wichtigste in KĂĽrze
Was bedeutet Gliedertaxe bei der Unfallversicherung?
Die Gliedertaxe ist eine feste Tabelle innerhalb der Unfallversicherungsbedingungen.
Sie legt fest, wie viel Prozent Invalidität gelten, wenn ein bestimmter Körperteil durch einen Unfall dauerhaft beeinträchtigt wird.
Beispiel:
- Verlust eines Armes = 70 % Invaliditätsgrad
- Verlust eines Beines = 70 %
- Verlust eines Daumens = 20 %
Je höher der Prozentsatz des betroffenen Körperteils, desto höher fällt später die Zahlung aus.
Die Gliedertaxe bildet damit die Grundlage jeder Invaliditätsberechnung in der privaten Unfallversicherung.

Wann liegt eine Invalidität vor?
Eine Invalidität liegt vor, wenn:
- ein Körperteil dauerhaft beeinträchtigt ist und
- keine wesentliche Besserung mehr zu erwarten ist.
Dauerhaft bedeutet: mindestens 12 Monate nach dem Unfall.
In vielen Tarifen kann die Invalidität bereits früher ärztlich bestätigt werden, muss aber spätestens 15 Monate nach dem Unfall fristgerecht gemeldet werden.
Wer stellt die Invalidität fest?
Die Invalidität wird immer von einem Arzt festgestellt.
Der Versicherer kann:
- ein eigenes ärztliches Gutachten verlangen
- ein unabhängiges Gutachten einholen
Versicherungsnehmer haben das Recht, ein Gegengutachten vorzulegen, wenn sie mit der Einschätzung nicht einverstanden sind.
Wonach richtet sich der Invaliditätsgrad? Â
Der Invaliditätsgrad ergibt sich aus zwei Faktoren:
- Welcher Körperteil ist betroffen?
- Wie schwer ist die Beeinträchtigung?
Die Gliedertaxe gibt für jeden Körperteil einen festen Wert vor.
Wird ein Körperteil nur teilweise beeinträchtigt, wird der Prozentsatz entsprechend anteilig berechnet.

In welcher Höhe sind die Körperteile abgesichert?
Die meisten Versicherer verwenden ähnliche, aber nicht identische Tabellen.
Die Höhe der Absicherung kann zwischen Anbietern stark variieren.
Beispielwerte (Standardtarif):
- Arm: 70 %
- Hand: 55 %
- Bein: 70 %
- FuĂź: 40 %
- Auge: 50 %
- Daumen: 20 %
- Zeigefinger: 10 %
- Ohr: 30 %
Verbesserte Gliedertaxen erhöhen diese Werte oft erheblich, z. B. bis zu 80–100 % für Arme oder Beine.
Wie berechnet sich der Invaliditätsgrad, wenn mehrere Körperteile betroffen sind?
Sind mehrere Körperteile beschädigt, werden die Invaliditätsgrade addiert.
Beispiel:
- Verlust Daumen (20 %)
- starke Funktionsbeeinträchtigung der Hand (30 %)
→ Gesamtinvalidität: 50 %
Es gibt keine Obergrenze auĂźer 100 %.
Ist die verbesserte Gliedertaxe in der Unfallversicherung sinnvoll?
Ja, in den meisten Fällen sogar sehr.
Eine verbesserte Gliedertaxe fĂĽhrt zu:
- höheren Invaliditätsgraden
- deutlich höheren Auszahlungen
- mehr Sicherheit bei schweren Unfallfolgen
Besonders fĂĽr Rentner oder Menschen mit durchschnittlichem Einkommen ist eine erweiterte Gliedertaxe empfehlenswert, da sie im Ernstfall tausende Euro mehr bedeuten kann.
Expertentipp
Warum die Gliedertaxe ĂĽber Ihre Leistung entscheidet
Viele Versicherte achten beim Abschluss einer Unfallversicherung vor allem auf die Höhe der Grundsumme und die Progression, doch die Gliedertaxe ist oft der heimliche Gamechanger.
Achten Sie unbedingt auf verbesserte oder erweiterte Gliedertaxen, denn diese erhöhen die Invaliditätsgrade bei häufig betroffenen Körperteilen wie Händen, Armen, Beinen oder Augen oft deutlich. Das kann im Ernstfall zehntausende Euro Unterschied ausmachen.
Gerade Senioren profitieren enorm von Tarifen, die diese Bereiche höher bewerten, da Stürze im Alter besonders oft zu genau diesen Verletzungen führen.
Progression in der Unfallversicherung
Die Progression ist ein Multiplikator, der die Auszahlung bei schweren Unfallfolgen erhöht.
Beispiel:
Progression 350 % bedeutet:
- Bei leichten Invaliditäten bleibt die Auszahlung nahe der Grundsumme.
- Bei sehr schweren Invaliditäten steigt die Auszahlung auf ein Mehrfaches.
So funktioniert die Progression bei Unfallversicherungen
Ein Beispiel:
- Grundsumme: 100.000 €
- Progression: 350 %
- Invaliditätsgrad: 70 %
Berechnung:
- Die ersten 25 % werden 1:1 ausgezahlt → 25.000 €
- Die nächsten 25 % werden bereits erhöht → z. B. 50.000 €
- Alles darüber wird mehrfach erhöht → Gesamtleistung z. B. 200.000 €
Das genaue Modell hängt vom Anbieter ab, aber das Prinzip bleibt gleich:
Je schwerer der Schaden, desto stärker steigt die Auszahlung.
Unterschiede zwischen Versicherern: Warum ein Vergleich unverzichtbar ist
Auch wenn viele Unfallversicherungen ähnliche Gliedertaxen verwenden, gibt es oft deutliche Unterschiede in den Details. Manche Versicherer bewerten Arme, Beine oder Sinnesorgane höher, andere wiederum gewähren bessere Werte für Hände, Finger oder Augen.
Da diese Unterschiede im Ernstfall zu mehreren tausend Euro Differenz führen können, lohnt sich ein gründlicher Tarifvergleich. Wer auf hohe Werte bei den Körperteilen achtet, die statistisch am häufigsten betroffen sind, verbessert damit seine spätere Leistungsquote deutlich.
Bedeutung der Gliedertaxe fĂĽr Senioren: Warum hohe Werte entscheidend sind
Gerade im Alter spielen Gliedertaxen eine noch wichtigere Rolle. Senioren erleiden bei Unfällen häufig Verletzungen an:
- Armen und Schultern
- Händen und Fingern
- Beinen, Knien und HĂĽften
Diese Körperteile sind in der Gliedertaxe oft sehr unterschiedlich bewertet. Eine verbesserte oder erweiterte Gliedertaxe sorgt dafür, dass bei diesen Verletzungen ein wesentlich höherer Invaliditätsgrad anerkannt wird.
Da ältere Menschen häufiger stürzen und Verletzungen schwerwiegender ausfallen, ist ein Tarif mit hohen Gliedertaxen für Rentner besonders empfehlenswert.
Ausschlüsse und Einschränkungen: Worauf Verbraucher achten sollten
Nicht jeder Tarif leistet automatisch bei jeder Art von Unfallfolge. Manche Versicherer schließen bestimmte Vorschädigungen oder Vorerkrankungen aus. Zum Beispiel kann eine bereits vorhandene Einschränkung an einem Gelenk die spätere Invaliditätsbewertung mindern.
Gute Unfallversicherungen gehen hier fair vor: Sie verzichten entweder vollständig auf solche Ausschlüsse oder schränken sie nur ein, wenn die Vorschädigung erheblich zu den bestehenden Einschränkungen beigetragen hat.
Deshalb ist es wichtig, beim Vertragsabschluss genau hinzuschauen und Tarife zu wählen, die auch bei vorhandenen Vorbelastungen solide Leistungen bieten.
Das Fazit
Die Gliedertaxe ist das Herzstück der privaten Unfallversicherung. Sie entscheidet darüber, welcher Invaliditätsgrad anerkannt wird und damit auch, wie hoch die Auszahlung ausfällt. Wer eine verbesserte Gliedertaxe wählt, profitiert im Ernstfall von deutlich höheren Leistungen. In Kombination mit einer passenden Progression kann dies den Unterschied zwischen finanziellem Engpass und guter Absicherung ausmachen.
Eine sorgfältige Tarifwahl ist daher entscheidend, um im Ernstfall wirklich gut geschützt zu sein.
Weitere Antworten
Ja. Jeder Versicherer definiert seine eigene Gliedertaxe. Die Unterschiede können groß sein, ein Vergleich lohnt sich unbedingt.
Für gute Absicherung eher nicht. Eine verbesserte Gliedertaxe bietet oft deutlich höhere Invaliditätsgrade und damit höhere Auszahlungen.
Ja. Ist ein Körperteil nicht komplett verloren, wird der Invaliditätsgrad anteilig berechnet, abhängig von der Einschränkung der Funktion.
